Professor Walther

Herr Prof. Dr. Thomas Walther, geboren in Hannover, hat in München sein Abitur gemacht und dort von 1984 bis 1990 an der Ludwig-Maximilians-Universität studiert. Danach hat er in Zürich über ein Thema zur Molekülspektroskopie promoviert und ist 1994 als PostDoc nach Amerika zu Texas A&M gegangen. Ab 1998 ist er dort Assistant Professor gewesen und im Januar 2002 folgte er dem Ruf als Professor nach Darmstadt.

Fachschaft: Kennen sie einen guten Physikerwitz?

Walther: Muss der jugendfrei sein? Ein Rechtsanwalt, ein Philosoph und ein Physiker unterhalten sich darüber, wie viele Frauen man im Leben haben sollte. Der Philosoph sagt: "Ja das ist doch völlig klar: So viele wie möglich! Denn das erweitert den Horizont und man muss Erfahrungen sammeln." Da sagt der Rechtsanwalt: "Das kommt gar nicht in Frage. Maximal eine Frau, das ist das was im Gesetz steht." Daraufhin sagt der Physiker: "Nein, nein, man braucht eine Frau und eine Geliebte. Dann denkt die Frau, man ist bei der Geliebten, die Geliebte denkt, man ist bei der Frau, und dann kann man in Ruhe im Labor arbeiten."

Fachschaft: An welchen Themen forschen Sie und Ihre Arbeitsgruppe?

Walther: Ich nenne mein Arbeitsgebiet Laser- und Quantenoptik. Hierbei umfasst meine Forschung anwendungsorientierte Themen sowie Grundlagenforschung. Im Rahmen der anwendungsorientierten Forschung beschäftigen wir uns mit Umweltsensorik, das heißt einerseits mit Gassensorik basierend auf Lasern und andererseits mit einem Projekt zur Temperaturprofilmessung im Ozean basierend auf einem Lasermessverfahren. In der Grundlagenforschung gehen wir dem Kühlen und Fangen von Quecksilber in magnetooptischen Fallen nach, was zu einer höheren Präzision in der Zeitmessung führen kann. Eine andere Motivation dieser Experimente ist die Untersuchung der Molekülbildung in diesen Fallen. Außerdem interessieren wir uns für Quanteninformation, speziell Quantenkryptographie. Hierbei geht es im Prinzip darum, mit den besonderen Gesetzen, die uns die Quantenmechanik zur Hand gibt, eine besonders sichere Art der Kommunikation zu entwickeln. Die ganze Forschung in der Arbeitsgruppe wird von Lasern bestimmt, weil diese in jedem Projekt mehr oder weniger eine Rolle spielen. Daher betreiben wir auch ein Stück weit eigene Laserentwicklung.

Fachschaft: Wo liegen denn außerhalb Ihres Arbeitsgebietes die Interessen an der Physik?

Walther: Es gibt eine ganze Menge spannender Themen. Ich finde prinzipiell alles was man mit Lasern machen kann sehr spannend, wie zum Beispiel Anwendungen in der Materialbearbeitung oder in der Medizin, einfach weil der Laser ein faszinierendes Werkzeug ist. Ich habe aber auch Interesse an vielen anderen Themen wie z.B. der Hochenergiephysik, kalter dunkler Materie oder die Frage nach der Masse des Neutrinos, ohne da ein Experte zu sein.

Fachschaft: Wollten Sie schon immer gerne am Experiment arbeiten?

Walther: Also ich war im Prinzip zunächst einmal offen. Wenn Sie mich gefragt hätten, hätte ich gesagt: Naja, ich werde einmal Theoretiker. Von der Schule kommend hatte ich gedacht: Mathematik ist das, was ich besonders gut kann. Aber ich habe dann gemerkt, dass meine Begeisterung und Begabung eher auf experimentellem Gebiet liegt.

Fachschaft: Worauf legen sie besonderen Wert in der Vorlesung? Oder gibt es ein besonderes Gefühl das Sie Ihren Studenten vermitteln wollen?

Walther: Also in dem Zyklus Physik I, II, III würde ich es als besonders wichtig für mich erachten, dass Experimente vorgeführt werden und viele Demonstrationen stattfinden, um die Vorlesung lebendiger zu gestalten. Als ich angefangen habe zu studieren fand ich die Physikvorlesung sehr schön, weil sie viele Versuche enthielt und dadurch sehr anschaulich war. Und deswegen hat es mich sehr gefreut, als ich die Physik I zum ersten Mal selbst gelesen habe, weil ich dann die Experimente mal selber machen durfte. Ich will ja auch ein bisschen Spaß haben. Ein besonderes Anliegen ist mir hierbei, durch die Demonstrationen und die Vorlesung an sich den Spaß und die Faszination an der Physik zu vermitteln, um so die Bereitschaft zu erhöhen die Durststrecke, die manchmal durch die Mathematikvorlesungen entsteht, aufzufangen. Denn das ist oft doch nicht ganz das was man vom Studium erwartet hat. Ich werde auch versuchen die Studenten interaktiver in die Vorlesung einzubeziehen, so dass sie selber darüber nachdenken müssen, was ich da erzähle und nicht bloß passiv mitschreiben und den Stoff konsumieren.

Fachschaft: Gibt es irgendwelche Tipps oder Empfehlungen, die Sie an die Studenten richten wollen?

Walther: Man muss sicher aufpassen, dass man nicht den Anschluss verliert. Am Anfang scheint es sehr langsam dahin zu plätschern. Man meint man hat alles schon irgendwie gehört aber das Tempo ist enorm, weil wir in einem Semester mehrere Jahre Schulstoff abhandeln. Man muss also aufpassen, dass man sich nicht abhängen lässt. Es ist ganz wichtig, dass die Vorlesungen nachgearbeitet werden. Man darf sich nicht einfach nur auf das Skript des Dozenten verlassen oder auf das selbst Mitgeschriebene -- man muss es wirklich ordentlich in einem Buch in irgendeiner Form nacharbeiten. Es ist außerdem wichtig, mit den Übungen am Ball zu bleiben. Und ein wichtiger Tipp ist es möglichst schnell mit Freunden zu Lerngruppen zusammen zu finden.

Fachschaft: Sie sind im Rahmen der Exellenzinitiative an einem Exellenzcluster der TU-Darmstadt beteiligt. Können Sie uns erzählen, um welche Thematik es sich handelt?

Walther: Ja, der Cluster nennt sich MECAD (Multiscale Engineering of Composites for Advanced Devices). Beteiligt an diesem interdisziplinären Konglomerat sind Kollegen aus der Materialwissenschaft, der Elektrotechnik, Chemie und Physik sowie Biologie und Maschinenbau. Es geht dabei um die Entwicklung neuwertiger Verbundwerkstoffe, die spezifisch für bestimmte Anwendungen maßgeschneidert werden. Die genaue Zielsetzung ist nicht leicht zu beschreiben. Deshalb möchte ich vielleicht die Anwendungen aufzeigen, die bei erfolgreicher Entwicklung solcher Materialien möglich werden könnten. Denkbar sind zum Beispiel sogenannte "Labs-on-a-Chip". Dies sind integrierte Diagnostiklabore für bestimmte Krankheiten, die mittels Drucktechniken kosteneffizient herstellbar und energieautark sind. Andere denkbare Anwendungen sind Systeme zur körperinternen, hoch präzisen Arzneimitteldosierung, kostengünstige, effiziente Solarzellen, neue Lasermaterialien, neuartige optische Sensoren oder auch energieeffizientere Handys. Insgesamt also ein genauso großes Spektrum wie beteiligte Fachbereiche.

Fachschaft: Sie sind für 2 Jahre zum Dekan gewählt worden. Sie treten das Amt zum 1. Oktober an. Welche Herausforderungen sehen Sie als Dekan auf sich zukommen?

Walther: Eine der ersten Sachen während meiner Amtszeit wird es sein, die Zielvereinbarung mit dem Präsidium unter Dach und Fach zu bringen. Der jetzige Dekan, Professor Grewe, hat da bereits wertvolle Vorarbeit geleistet. Die Zielvereinbarung enthält unter anderem die Punkte Forschung und Lehre, das heißt, welche Perspektiven und Forschungsschwerpunkte der Fachbereich setzen will, welche Ziele man in der Lehre erreichen will und wie man diese verbessern will. Dabei spielen auch die Schlagworte Internationalität und E-Learning eine Rolle. Desweiteren wird in der Zielvereinbarung geklärt, wie die zur Verfügung stehenden Ressourcen sinnvoll verteilt werden sollen. Andererseits wird auch festgehalten, welche Dinge das Präsidium unternehmen muss, damit es uns möglich wird, die Ziele zu erreichen. Außerdem wird wohl die Reakkreditierung unserer Studiengänge in meine Amtszeit fallen. Das wird sicherlich mit viel Arbeit verbunden sein, für das Dekanat, die Hochschullehrer, die Fachschaft und alle anderen Gruppen.

Fachschaft: Angenommen, Sie hätten einen freien Nachmittag. Wie würden Sie ihn verbringen?

Walther: Ich fahre ganz gerne Mountainbike im Schwarzwald und ich photographiere ganz gern.

Fachschaft: Das ließe sich doch verbinden.

Walther: Nicht so gut. Sie wissen ja nicht wie ich fahre! An der Photographie reizt mich vor allem Landschaft und Architektur.

Fachschaft: Angenommen, Sie würden auf eine einsame Insel verbannt, weil Sie eventuell den Nobelpreis nicht annehmen möchten und könnten sich 5 Dinge aussuchen, die Sie mitnehmen dürfen. Was würden sie mitnehmen?

Walther: Wie einsam ist denn die Insel?

Fachschaft: Sehr einsam! Für immer! Aber es gibt genug Wasser und Nahrung.

Walther: Hmmm... Schweizertaschenmesser. Ich denke praktisch. Was zu lesen, was richtiges! Den größten Lesestoff bietet vermutlich die Bibel. Ein Weltempfänger den man mit einer Kurbel betreibt. Eine Lupe zum Feuer machen. Und ein Buch zur Bestimmung von Pflanzen -- dann weiss ich auch, was essbar ist und was nicht.

Fachschaft: Angenommen, Sie würden heute noch einmal vor der Studienwahl stehen. Was würden Sie außer Physik studieren?

Walther: Außer Physik, das ist schwer. Hmmm... Am ehesten wäre ich wohl im Flugzeugbau, also Luft- und Raumfahrttechnik. Oder ganz früher wollte ich mal Pilot werden.

Fachschaft: Jetzt kommt eine sehr philosophische Frage: Was trinken Sie lieber: Tee oder Kaffee?

Walther: Kaffee! Also ich trinke Tee nur in China und wenn ich krank bin. Obwohl, mittlerweile kann man auch in China Kaffee trinken.

Fachschaft: Die Frage ist eher, wieviel Kaffee trinken Sie denn?

Walther: Ich trinke sicher mehr als normal, aber es ist jetzt nicht so, dass es übermäßig ist. Ich trinke so 5 Tassen am Tag. Die normale Größe.

Fachschaft: Können wir das so schreiben?

Walther: Das können Sie ruhig so schreiben. Im Übrigen, es gibt irgendeinen berühmten Mathematiker, der hat mal gesagt: Ich bin eine Maschine, die Kaffee in mathematische Formeln umsetzt.

Fachschaft: Was waren Ihre Lieblingsfächer in der Schule? Physik?

Walther: Ne, das kam erst später. Mein Lieblingsfach war Mathematik. Ich mochte auch Erdkunde sehr. Erst im Physikleistungskurs habe ich Interesse entwickelt, auf Grund eines ironischerweise schlechten Lehrers. Da ich aber trotzdem ein gutes Abitur machen wollte, habe ich mir den Stoff aus der Physik selbst angeeignet. Da habe ich gemerkt, wie logisch das Ganze zusammenhängt und das war im Prinzip der Grund, warum ich Physik studiert habe.

(von Sven Ahrens und Holger John im September 2006)

 

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