Professor Langanke

Mit dem Ruf zum 1. Januar 2005 bereichert Herr Professor Langanke nun unseren Fachbereich Physik an der TU-Darmstadt. Damit auch jeder (insbesondere wir als Studenten) sich etwas unter seinem Namen vorstellen kann, haben wir ihn interviewt.

Vorerst noch einige Details über Herrn Langanke:

Herr Langanke ist Professor in der Theoretischen Kernphysik. Studiert hat er in Münster und hat dort auch 1980 promoviert. Mit einem Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft ist er zum Caltech in Pasadena gewechselt, und nach einigen Jahren, in denen er zwischen Münster und Pasadena mehrfach pendelte, übernahm er eine Fakultätsstelle am Caltech. 1996 folgte er einem Ruf der Universitaet Aarhus in Dänemark. Dieses Jahr wurde er zur theoretischen Kernphysik an der TU Darmstadt berufen und leitet gleichzeitig die Abteilung `Theoretische Kernstruktur und nukleare Astrophysik', an der GSI.

Nun aber zum Interview:

Fachschaft: Guten Tag, Herr Langanke. Vielen Dank, dass Sie sich für unser Interview Zeit genommen haben. Unsere erste Frage: Was würden Sie mitnehmen, wenn Sie für den Rest ihres Lebens auf einer einsamen Insel leben müssten?

Langanke: Meine beiden Kinder! Ich brauche sie einfach. Dazu Bücher, zum Beispiel den Zauberberg von Thomas Mann und klassische Musik. Das sollten meine Kinder aber besser nicht merken...

Fachschaft: Wie schätzen Sie das Forschungspotenzial hier in Darmstadt ein?

Langanke: Den Ruf an die TU-Darmstadt habe ich sehr gerne angenommen, weil die Möglichkeiten im Bereich von Darmstadt einerseits mit der TU, andererseits mit dem, was die GSI jetzt und auch in Zukunft bieten wird, einfach einmalig sind.

Fachschaft: Was genau wird Ihre Tätigkeit in Darmstadt sein?

Langanke: Meine Aufgabe wird es sein, Kernstruktur und nukleare Astrophysik zu betreiben und eine Arbeitsgruppe an der GSI aufzubauen. Gerade das kommende FAIR-Projekt bildet eine weltweit einmalige Möglichkeit. Aber man braucht immer eine starke Theoriekompononente, deren Aufgabe es auch ist, relevante Fragestellungen zu finden und die Experimente zu begleiten.

Meine Arbeitsgruppe wird übrigens aus vier Dauerstellen bestehen und acht weiteren Plätzen für Postdocs.

Fachschaft: Werden Sie Fachkurse halten?

Langanke: Ja, im kommenden Wintersemester werde ich einen 2- bis 3-stündigen Kurs zum Thema nukleare Astrophysik halten. Die Thematik ist sehr umfangreich, sodass der Kurs vielleicht sogar 2-semestrig werden könnte.

Einige Beispiele aus dem Kurs sind: Der Urknall (wobei die Nukleosynthese betrachtet wird und weniger die Dichteschwankunken in der Hintergrundstrahlung), die Sonne, die Entwicklung von sehr massereichen Sternen, die zwei Typen von Supernovae: TypIa und TypII, Doppelsternsysteme (schließlich sind das 50% aller Systeme) und natürlich die Frage, woher denn die schweren Elemente kommen. Die ganze Vorlesung könnte unter dem Motto `We are all stardust' stehen.

Fachschaft: War Physik Ihr Lieblingsfach in der Schule?

Langanke: Physik war sicherlich nicht mein Lieblingsfach in der Schule. Wenn man mich in Noten messen würde bin ich besser geworden, je abstrakter die Inhalte geworden sind. Ich erinnere mich noch an die Einführung in die Experimentalphysik. Die war einfach nicht mein Ding. Erst bei der Quantenmechanik (QM) habe ich dann langsam Licht gesehen (wobei ich nicht behaupte, dass ich die QM damals wirklich verstanden hatte. Ich bemerkte nur, dass ich offenbar erfolgreicher wurde.)

Fachschaft: Die mathematischen Vorlesungen haben Ihnen also auch keine so großen Probleme bereitet?

Langanke: Das ist richtig, ja. Ich hatte nicht die wirklich großen Probleme, obwohl ich auch nicht der Überflieger war. Als ich studierte, kam drei Jahre nach mir Gerd Faltings, der sehr berühmt geworden ist durch die Vorarbeit an Fermats letztem Satz. Und wenn man solchen Leuten als Studenten begegnet sieht die Welt gleich ganz anders aus.

Fachschaft: Werden Sie auch Einführungsvorlesungen in der Theoretischer Physik halten?

Langanke: Ja. Ich bin unter der Vorraussetzung an die TUD gegangen, dass ich ein reguläres Mitglied der Fakultät sein werde. Und dazu gehört auch, dass ich, wenn ich gefragt werde, in die Grundvorlesungen gehen werde. Im Übrigen habe ich in den letzten 3 Jahren in Dänemark die QM gehalten und die Resonanz der Studenten war sehr positiv und mir hat es viel Spass gemacht.

Fachschaft: Was halten Sie von Auslandsaufenthalten während des Studiums?

Langanke: Als ich studierte, waren Auflandsaufenthalte noch sehr unpopulär. In Dänemark habe ich festgestellt, dass es viele attraktive Programme gibt, die man als Student wahrnehmen kann. Sie bergen ein großes Potenzial, da so auch verschiedene Ideen und Konzepte ausgetauscht werden. Auch lernt man kulturell und persönlich sehr viel.

Fachschaft: Kann man als Theoretiker in die Wirtschaft gehen?

Langanke: Oh ja! In den 80-ern haben in Münster mehrere in unserer AG promoviert und wurden anschließend von McKinsey oder ähnlichen Firmen eingestellt.

Die Argumentation von McKinsey, die mir zugetragen wurde, ist die folgende: "Wenn wir jemanden nehmen, der selbst Volkswirtschaft studiert hat, dann hat er ein Studium gemacht, das für uns nutzlos ist. Denn wir müssen die sowieso für das trainieren, was bei uns gemacht wird. Wenn wir einen Physiker nehmen, dann müssen wir dem das auch beibringen. Allerdings hat der gelernt, Probleme zu lösen.",

Und ich kann ihnen sagen: Das ist wirklich so gewesen!

Fachschaft: So wie es während dieses Interviews aussieht, sind Sie wohl leidenschaftlicher Kaffeetrinker?

Langanke: Ja das stimmt, ich bin Kaffeetrinker. Aber Kaffeejunkie bin ich wohl noch nicht.

Kaffeetrinker bin ich im Caltech geworden. Da stand die Kaffeemaschine in unserer Institutsbibliothek. Dort fand man in Gesprächen mit Anderen auch immer wieder Hilfe bei aktuellen Problemen. Und deswegen bin ich dort gerne Kaffeetrinken gegangen.

Fachschaft: Zum Abschluss noch: Kennen Sie einen guten Physikerwitz?

Langanke: Nun ein Kollege in Bochum pflegt immer zu sagen: Mit den Sternen ist es genau wie mit den Menschen: Je größer die Masse desto kürzer die Lebenserwartung.

Fachschaft: So, das wars. Wir möchten uns herzlich bei Ihnen für das Interview bedanken, Herr Langanke.

(von Sven Ahrens und Marco Möller im April 2005)

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