Professor Hammer

Fachschaft: Könnten Sie uns zunächst Ihren Werdegang schildern? Wie fanden Sie das Fach Physik in der Schule und wie kamen Sie dazu, Physik zu studieren?

Hammer: Ich fand Naturwissenschaften und Mathematik in der Schule interessant und habe mich nach einigem Nachdenken dazu entschieden, Physik zu studieren. Das war nicht meine erste Wahl, da ich aufgrund meines nicht-akademischen Hintergrundes zunächst Ingenieurswissenschaften studieren wollte. Das erschien mir damals als Fach, mit dem man später eher etwas anfangen kann. Daher traf ich die Entscheidung für das Physikstudium relativ spontan und fing in Mainz an, zu studieren. Anfangs wusste ich noch nicht, ob ich auch promovieren wollte, aber in Mainz gab es einen Sonderforschungsbereich in der Kernphysik, in dem ich meine Doktorarbeit geschrieben habe. Während der Promotion war ich über ein Austauschprogramm des DAAD für ein Jahr in Seattle und habe dort einen Teil meiner Doktorarbeit geschrieben. Dort habe ich mich dazu entschieden, einen Postdoc zu machen. Nach meiner Zeit in Seattle bin ich kurz wieder zurück nach Mainz gegangen, um meine Doktorarbeit zu beenden. Danach bin ich für meine Postdoc-Stelle an das TRIUMF (Tri University Meson Facility in Vancouver) nach Kanada gegangen. Anschließend habe ich einen weiteren Postdoc in Columbus, Ohio gemacht, um danach wieder nach Deutschland zurückzukommen. Hier hatte ich etwas länger als ein Jahr lang eine Assistentenstelle. Dann bin ich wieder nach Seattle gegangen und hatte dort eine Research-Professur, das ist eine Professur, die zeitlich begrenzt ist. Nach eineinhalb Jahren bin ich wieder nach Deutschland gekommen und habe 2005 in Bonn eine Professur bekommen. Dort war ich acht Jahre und bin dann 2013 nach Darmstadt gekommen.

Fachschaft: Wie kam es dazu, dass Sie nach Darmstadt gewechselt sind?

Hammer: Zum einen fand ich das Umfeld interessant, da die GSI und das FAIR-Projekt hier in der Nähe sind, zum anderen kommt meine Familie aus der Gegend, aus Rheinhessen, und ich habe ja in Mainz studiert, von daher lag es für mich nahe, wieder in die Heimat zu gehen.

Fachschaft: Sie haben gesagt, dass Sie sich erst unsicher waren, Physik zu studieren. Wie kam es denn dazu, dass Sie sich dann doch für Physik entschieden haben?

Hammer: Was für mich an Physik interessant ist, ist das Ziel, zu verstehen, wie die Natur funktioniert. Das fand ich in der Schule immer sehr interessant, mir war aber erst nicht klar, ob man damit auch Geld verdienen kann. Ich habe es dann einfach probiert und habe gelernt, dass man mit einem Physikstudium auch außerhalb der Uni viele Möglichkeiten hat, die einem offen stehen.

Fachschaft: Könnten Sie vielleicht Ihr Forschungsgebiet erklären, sodass es auch Studienanfänger verstehen können?

Hammer: Ich beschäftige mich mit Universalität in Quantensystemen mit starker Wechselwirkung. Dafür ist vor allem Quantenmechanik wichtig. Da die Wechselwirkung in den Systemen sehr stark ist, können keine störungstheoretischen Methoden verwendet werden. Universalität bedeutet, dass ich mich in solchen Systemen für die Aspekte interessiere, die in sehr verschiedenen Gebieten mit verschiedener Mikrophysik trotzdem gleich sind. Ein Beispiel dafür sind Systeme mit einer großen Streulänge, dadurch lässt sich die starke Wechselwirkung charakterisieren. Diese Systeme treten einerseits in der Kernphysik auf, wo ich tätig bin, aber auch in der Hadronenphysik und in der Physik der ultrakalten Atome, wo die mikroskopische Physik, also die zugrundeliegende Theorie eigentlich ganz anders ist. In der Physik der ultrakalten Atome sind das die Quantenelektrodynamik und die Van-der-Waals-Wechselwirkung zwischen neutralen Atomen, während das in der Hadronenphysik und in der Kernphysik die Quantenchromodynamik ist. In der Kernphysik nimmt man meistens Wechselwirkungen, die die Nukleonen schon als fundamentale Freiheitsgrade nehmen. Das sind unterschiedliche Grundlagen, doch bei starker Wechselwirkung gibt es Eigenschaften, die in diesen Systemen sehr ähnlich sind. Auf das Verständnis solcher Gemeinsamkeiten konzentriere ich mich in meiner Forschung.

Fachschaft: Was erwarten Sie von Studierenden, die in Ihrer Arbeitsgruppe eine Bachelor- oder Masterarbeit schreiben bzw. promovieren möchten?

Hammer: Die Studierenden sollten sich für theoretische Physik interessieren. Bachelorarbeiten in meiner Arbeitsgruppe basieren meistens auf der Quantenmechanik, aber ich kann mir auch Bachelorarbeiten vorstellen, die auf klassischer Physik, also auf der klassischen Feldtheorie basieren. In der Regel sind es aber quantenmechanische Probleme, die analytisch oder numerisch auf dem Computer gelöst werden können. Ein Beispiel für eine Bachelorarbeit, die in letzter Zeit geschrieben wurde, sind eindimensionale Wenigteilchensysteme, die mit verschiedenen Methoden gelöst werden können. Dort kann man bereits interessante Aspekte auf dem Niveau einer Bachelorarbeit betrachten. Grundlage von Master- und Doktorarbeiten ist meistens die Quantenfeldtheorie.

Fachschaft: Was würden Sie Studienanfängern, die hier in Darmstadt anfangen, Physik zu studieren, mit auf den Weg geben?

Hammer: Ich würde den Studienanfängern raten, das breite Spektrum an Themen, das im Studium vorkommt, auszunutzen und alles mit Interesse zu verfolgen und zu lernen. Dadurch sieht man am besten, welche Gebiete einem am meisten liegen und am meisten Spaß machen. Das ist gerade auch der Vorteil an einem Physikstudium, welches eher breit angelegt ist und nicht so sehr darauf ausgelegt ist, was man später damit machen kann, wie vielleicht ein Ingenieursstudium. Daher sollte man das breite Angebot nutzen und sich mit dem Stoff auch außerhalb der Vorlesung und der Übung nochmal auseinandersetzen, darüber nachdenken und mit Kommilitonen darüber diskutieren. Das ist im Prinzip auch die Art und Weise, wie in der Physik Fortschritte gemacht werden. Es ist ja nicht so, dass jemand alleine in seinem stillen Kämmerchen sitzt und irgendwelche Probleme einfach für sich alleine löst, sondern in den meisten Fällen bekommt man die besten Einsichten eigentlich dadurch, dass man mit anderen Leuten darüber diskutiert, genauso wie man auch Übungsaufgaben auf diese Art und Weise lösen kann.

Fachschaft: Wenn Sie wieder Physik studieren würden, würden sie etwas anders machen?

Hammer: Im Nachhinein würde ich, glaube ich, etwas mehr Mathematik hören. Es gab einige Sachen, die ich noch nachlernen musste, was natürlich Zeit gekostet hat. Wenn man genau weiß, dass man später theoretische Physik machen möchte, fände ich es auf jeden Fall sinnvoll, die regulären Mathematikveranstaltungen zu hören, da die Ausbildung dort einfach breiter ist.

Fachschaft: Sie sagten, Studienanfänger sollen möglichst dieses breite Gebiet, welches im Bachelor angeboten wird nutzen, um die eigenen Interessen kennenzulernen. Gibt es denn außerhalb ihres Forschungsgebiets ein Thema, das Sie besonders interessiert?

Hammer: Das Forschungsgebiet, mit dem ich mich befasse, ist in gewisser Weise schon sehr breit aufgefächert. Da gibt es sowohl Optik und ultrakalte Atome als auch fundamentalere Aspekte oder Physik der kleinsten Teilchen. Was mich aber immer auch interessiert hat und was es in Mainz zum damaligen Zeitpunkt nicht gab, ist Physik auf sehr großen Skalen in der Astrophysik. Das wäre ein Thema, welches mich und viele andere noch interessiert und bei dem ich mir auch orstellen könnte, in dem Bereich zu arbeiten.

Fachschaft: Was halten Sie generell von Darmstadt und Umgebung bzw. von der TU?

Hammer: Ich halte es für einen recht attraktiven Standort. Nicht nur weil ich die Gegend kenne bzw. aus der weiteren Umgebung komme, sondern Darmstadt hat auch eine gute Größe für eine Stadt. So ist Darmstadt nicht zu groß, aber groß genug, um einiges zu bieten. Mit dem Odenwald in der Nähe gibt es außerdem noch etwas Natur, wo man Fahrrad fahren oder wandern gehen kann. Von der Physik her ist, wie gesagt, als wichtiger Standort die GSI in der Nähe, was eines der großen Forschungszentren der Kern- und Teilchenphysik in Deutschland ist.

Fachschaft: Sie haben gesagt, dass sie während ihrer Studienzeit bzw. während ihrer Doktorarbeit und auch danach viel im Ausland waren. Was würden Sie denn Studierenden raten, die einen Auslandsaufenthalt machen wollen?

Hammer: Ich würde den Studierenden auf jeden Fall raten, das noch während des Studiums zu machen, das habe ich erst während der Doktorarbeit gemacht. Es ist auf jeden Fall eine wichtige Erfahrung, auch um zu sehen, wie Sachen an anderen Orten anders gemacht werden, sowohl im Studium als auch in der Forschung. Deswegen ist es auch später sehr wichtig, mal den Standort zu wechseln, um einfach ein breiteres Bild zu bekommen, sowohl fachlich als auch kulturell.

Fachschaft: Haben Sie denn Hobbys in ihrer Freizeit? Wenn Sie denn Freizeit haben...

Hammer: Ich mache gerne Sport und spiele Trompete.

 

Das Interview führten Emily Burbach und Philipp Schuhmacher im April 2019.

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