Professor Hoffmann

Herr Hoffmann ist in Hagen in Westfalen aufgewachsen und dort zur Schule gegangen. Anschließend studierte er an der Ruhr-Universität in Bochum Physik und Mathematik, wobei er sich entschied bei der Physik zu bleiben. Erst konnte er sich gar nicht vorstellen in der Kernphysik zu forschen, doch die damals schon eingesetzte elektronische Datenauswertung in der Kernphysik stellte doch einen großen Anreiz dar. Er diplomierte und promovierte dann in Darmstadt bei Professor Achim Richter mit der Arbeit am S-DALINAC (damals noch LINAC). 1979 bekam Herr Hoffmann durch ein Stipendium der Alexander-von-Humboldt-Stiftung die Möglichkeit nach Stanford zu gehen.

Zwei Jahre später untersuchte er mit einer kleinen Arbeitsgruppe das Verhalten von Schwerionenstrahlen in Plasmen an der GSI. Im Jahr 1994 hat er einen Ruf auf einen Experimentalphysik Lehrstuhl an der Universität Erlange erhalten und angenommen. Anschließend nahm er 1998 den Ruf als Professor für Plasmaphysik an der TU-Darmstadt an.

Fachschaft: Guten Tag Herr Hoffmann. Erstmal möchten wir Ihnen danken, dass Sie uns einige Fragen für dieses Interview beantworten werden. Unsere erste Frage:

Fachschaft: Gibt es noch andere Forschungsgebiete, außer der Plasmaphysik, an denen Sie arbeiten?

Hoffmann: Es gibt durchaus noch ein zweites Gebiet auf das mich ein Kollege aus dem CERN brachte. Bei diesem als CAST (= CERN Axion Solar Telescope) bezeichneten Forschungsprojekt geht es um die Suche nach Axionen, welcher ich mit einer kleinen Astroteilchenphysikarbeitsgruppe nachgehe. Dies ist sozusagen ein zweites Standbein in meiner Forschungsaktivität.

Fachschaft: Was sind denn eigentlich Axionen?

Hoffmann: Das Axion ist im Prinzip ein Korrekturteilchen, welches eine Symmetrieverletzung in der starken Wechselwirkung kompensiert. Es wird als Kandidat für dunkle Materie gehandelt. Wenn man sie nachweisen könnte, so wäre es möglich das Strahlungspektrum aus dem Inneren der Sonne zu empfangen.

Fachschaft: Gibt es Empfehlungen, die Sie den Erstsemestern mit auf den Wegen geben wollen?

Hoffmann: Ja, in den Anfangssemestern ist Eins ganz wichtig und zwar ist das eine Erfahrung, die ich selber gemacht habe: Als ich damals im Hörsaal saß, hatte ich das Gefühl, neben mir sitzt Einstein, da vorne sitzt Max Planck und da sitzt Rutherford und ich bin der einzige Idiot. Ich muss hier arbeiten, ich versteh' das nicht auf Anhieb und die anderen haben alle so einen schlauen Eindruck gemacht. Ich hab' dann zu Hause wie wild gesessen und an den Übungsaufgaben gebrütet und auch nicht immer alle gelöst. Bis man nach und nach merkte, dass es den anderen eigentlich genauso geht, bloß es hat keiner zugegeben (ich wahrscheinlich auch nicht). Aber das ist etwas, was ich den Studenten auch offen sage, dass es nichts Schlimmes ist, wenn sie etwas nicht auf Anhieb verstanden haben. Wichtig ist, dass sie den Spaß daran nicht verlieren und immer wieder daran arbeiten und versuchen, ein Problem zu knacken und immer wieder einen Schritt weiter zu kommen und zwar auch unabhängig davon, ob sie jemanden neben sich haben, der auch objektiv die ganzen Sachen sehr viel schneller macht und leichter begreift. Es kann ja sein, dass der- oder diejenige Tag und Nacht arbeitet, außerdem sind die Begabungen auch unterschiedlich verteilt.

Wenn jemand wirklich am Physikstudium interessiert ist und daran arbeitet, dann wird er es sicher auch mit einer relativ vernünftigen Note schaffen. Bloß eins muss klar sein: So ein Studium kann man nicht nebenbei machen! Und deshalb rate ich den Studenten auch nicht allzuviel nebenbei zu machen. Und wenn jemand noch einen halben Tag arbeiten muss, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, dann ist es ganz klar, dass solche Leute wirklich schlechtere Chancen haben. Das Physikstudium erfordert schon den vollen Einsatz und den kann man nur leisten, wenn man daran Spaß hat. Diejenigen, die sagen, das ist mein Ding, das will ich wirklich machen, die sollte man dann auch unterstützen und durch das Studium bringen.

Fachschaft: Was halten Sie im jetzigen Bachelorstudiengang für besonders wichtig?

Hoffmann: Auf Grund des Umstiegs vom Diplomstudiengang auf das Bachelor-Master-System ist es für Studenten ratsam, so schnell wie möglich Kontakt zu den einzelnen Arbeitsgruppen zu bekommen. Die Studenten sollten sich möglichst früh in der aktuellen Forschung in den Arbeitgruppen umschauen. Eine gute Möglichkeit dafür ist die Miniforschung. Daher rate ich jedem Studenten, dass er ohne Scheu auf Professoren zugehen sollte.

Fachschaft: Worauf legen Sie in Ihrer nächsten Rechenmethodenvorlesung besonderen Wert?

Hoffmann: Es gibt eine Kluft zwischen mathematischen Inhalten des Gymnasiums und den Anforderungen, die hier an Studenten gestellt werden. Ich möchte deswegen in der Vorlesung mehr den Hilfestellungscharakter herausstellen als die Tatsache, dass im Lauf des Bachelorstudiengangs der Schein für die Rechenmethoden irgendwann erbracht werden muss.

Fachschaft: Was hat Ihnen in Ihrem Studium besonders gut gefallen?

Hoffmann: Was mir als Diplomand gut gefallen hat, war das Beschleunigerlabor, bei dessen Aufbau ich auch als Student beteiligt war. Es ist schön mitzuerleben, wie etwas von Grund auf entsteht und wo man von Anfang an mit dabei gewesen ist.

Denn das manchmal etwas Entmutigende ist, dass man als Student oft die Bücher aufschlägt und schon alles da steht und alle Gesetze schon mit Namen belegt sind. Da fragt man sich: Wo ist denn da der Platz für mich??? und hat oft das Gefühl, eigentlich ist ja alles Wichtige schon erforscht. Dieses Gefühl hatte ich auch, denn damals hätte ich niemals gedacht, dass es eine Abteilung 'Plasmaphysik mit schweren Ionen' an der GSI geben würde. Aber die Tatsache, dass es, wie in meinem Forschungsfeld, immer wieder neue Fragestellungen gibt, lässt mich vermuten, dass es auch in Zukunft viele neue Forschungsgebiete geben wird, die jetzt noch gar nicht existieren. Ich denke, dass es für relativ viele von uns die Möglichkeit gibt, in irgendeine wissenschaftliche Nische zu stoßen und sich dort selbst zu verwirklichen. In unseren Physikbüchern sind viele Seiten noch nicht geschrieben und ich glaube, da ist für die jungen Leute noch viel Platz.

Fachschaft: Was haben Sie für Hobbies?

Hoffmann: Ich schwimme sehr gerne, deswegen bin ich ab Morgens um 7.00 Uhr im Nordbad. Dort schwimme ich zwischen 20 und 30 Bahnen. Und im Sommer fahre ich auch gerne Rad. Wenn's geht bergauf, das finde ich sehr herausfordernd. Außerdem reisen wir relativ viel, sowohl beruflich als auch privat. Und ich gehe auch gerne in die Oper. Den Rest meiner Zeit beschäftige ich mich hier mit der Physik und natürlich auch mit meiner Familie.

Fachschaft: Zum Schluss noch eine Frage: Wenn Sie auf eine einsame Insel gehen würden, was würden Sie mitnehmen?

Hoffmann: Als erstes würde ich die Bibel mitnehmen. Am besten gleich 2 verschiedene Exemplare, um sie miteinander vergleichen zu können. Angenommen die Insel hätte einen Stromanschluss, dann würde ich noch meine Sammlung klassischer Musik mitnehmen. Zur Zeit hänge ich auch sehr stark an meinem Laptop. Der Rest, den ich noch mitnehmen würde, wäre etwas zur sportlichen Ertüchtigung, wahrscheinlich mein Fahrrad oder die Taucherausrüstung.

Fachschaft: So, das war's. Vielen Dank für Ihre Antworten.

(von Sven Ahrens und Antje Weber im Februar 2006)

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